7.1 Wie kann man die gefundenen Werke schnell und trotzdem gründlich lesen?

War die Recherche erfolgreich, dann liegen nun größere Stapel an Literatur vor uns. Und es stellt sich schnell die Frage: Muß das nun alles von vorn bis hinten gründlich gelesen werden? Nach einem kurzen Blick auf den Zeitplan und realistischer Abschätzung des eigenen Lesetempos wird schnell klar, daß das gar nicht möglich ist. Unsystematisches Herumlesen und Suchen kostet unnötig viel Zeit und so müssen wir uns also eine Methode erarbeiten, die es ermöglicht, die wesentlichen Werke herauszufinden und diese mittels entsprechender Lesetechniken zügig zu verarbeiten.

Wie läßt sich Schrifttum auf seine Brauchbarkeit für eine wissenschaftliche Arbeit untersuchen?

Zur Bewertung und Bestimmung der wesentlichen, grundlegenden Literatur werden vor dem eigentlichen Lesen zwei Schritte durchgeführt:

  • Klarheit verschaffen über die eigenen Fragen an die beschaffte Literatur.
  • Überprüfen, ob die zur Hand genommen Titel die erwarteten Informationen liefern.

Hat man - weil es vielleicht die erste Auseinandersetzung mit einem bestimmten Fachgebiet ist - Schwierigkeiten, konkrete Fragen an den Text zu formulieren, schlagen Rückriem/Stary/Franck den Einstieg mit den sog. "W-Fragen" vor (Rückriem, S.133):

  • Warum (z.B. sind für das wissenschaftliche Arbeiten bestimmte Methoden notwendig).
  • Wozu (dienen die Zitierregeln).
  • Was (meint der Autor mit der Vollständigkeit des Literaturverzeichnisses).
  • Wie (erklärt er die Beziehung zwischen der äußeren Form und dem Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit).

Vor der intensiven Lektüre steht aber noch die Überprüfung der Titel auf ihre Verwendungsmöglichkeit. D.h., ich versuche anhand der einzelnen Bestandteile jedes Werkes festzustellen, ob es für die vorher entwickelte Fragestellung überhaupt etwas hergibt:

  • Was weiß ich über den Autor?
    Hat er andere bekannte Titel verfaßt? In welchen Fachgebieten? Wie wird unter Kollegen im Fachgebiet eingeschätzt?
  • Was sagt mir der Sachtitel, der Untertitel?
    Wie wird das behandelte Thema beschrieben, eingegrenzt?
  • Ist das Inhaltsverzeichnis übersichtlich und logisch gegliedert?
    Wo liegen die Schwerpunkte?
  • Weiß ich etwas über den Verlag?
    Ist er auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert? Welche Qualität, welches Niveau haben die Veröffentlichungen? Gehört das Buch zu einer Reihe?

Auch Literaturverzeichnis, (Sach- und Personen-)Register und das Glossar können uns wichtige Informationen über die Eignung eines Textes geben. Reicht das immer noch nicht aus, um einen Titel zu bewerten, hilft ein Blick in Vorwort, Schlußteil und eventuell noch die Anfänge der einzelnen Kapitel.

Das Ergebnis der Bewertung sollte dann eine Prioritätenliste für die Lektüre sein. Die grundlegenden gründlich durchzuarbeitenden Werke stehen darin natürlich obenan, gefolgt von denen, die vielleicht nur zum Teil gelesen werden müssen. Und selbstverständlich könnt Ihr ungeeignete Titel auch ganz ausschliessen.

Dazu noch ein Satz von Wilhelm H. Peterßen: "Man muß Mut zum Aussortieren haben; Diskriminierung und Selektion sind ausdrücklich erwartete wissenschaftliche Fähigkeiten." (Peterßen, S.76)

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Übersicht

Beginn: Wissenschaftliche Arbeit schreiben

Kap. 1 - Anforderungen

Kap. 2 - Aufbau einer Arbeit

Kap. 3 - Arbeitsplanung

Kap. 4 - Themenwahl

Kap. 5 - Quellen & Materialien

Kap. 6 - Literatursuche

Kap. 7 - Lesetechniken

Kap. 8 - Exzerpieren

Kap. 9 - Gliederung erarbeiten

Kap. 10 - Rohmanuskript anfertigen

Kap. 11 - Korrekt zitieren

Kap. 12 - Reinschrift erstellen

Schlussbemerkung zum Wissenschaftlichen Arbeiten

Literaturverzeichnis

Beispiele für Arbeit schreiben

Nützliche Seiten

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