10.1 Was ist beim Schreiben der wissenschaftlichen Arbeit zu beachten?

Nun sind wir am letzten Arbeitsschritt angelangt. Die in unseren Exzerpten gesammelten Ergebnisse können zu Papier gebracht. Wenn bis dahin meist alles gut ging, kommt nun für viele der Moment, an dem sie die große Angst packt: Wie soll ich anfangen, habe ich überhaupt genügend Material, ist mein Schreibstil angemessen, mache ich mich nicht lächerlich… Ihr könnt mir glauben, das kenne ich alles auch aus eigener Erfahrung. Aber, nun macht Euch bloß nicht selbst verrückt. Ihr seid ja noch am Anfang Eurer wissenschaftlichen Karriere. Und das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit ist letztendlich auch eine Sache der Übung.

Außerdem solltet Ihr Euch immer wieder klar machen, dass das Schreiben ein Prozess ist, etwas das sich entwickelt. Es ist einfach falsch zu glauben, dass jeder Satz, jeder Absatz gleich beim ersten Mal richtig und schlüssig formuliert sein muss. Wenn ich an einem Gliederungspunkt nicht vorwärtskämme, kann ich durchaus zunächst an einem anderen weitermachen. Auch die Einleitung muss nicht unbedingt als Erstes fertig sein, manche schreiben sie ohnehin erst zum Schluss, weil man da ja eigentlich erst weiß, worüber man schreibt. Wichtig ist, mit einer gewissen Gelassenheit an die Arbeit zu gehen; nicht zwanghaft nach der exakten Formulierung zu suchen, sondern sich auf den Inhalt zu konzentrieren.

Gebt Eure Entwürfe möglichst oft Freunden oder Bekannten zum Lesen, sprecht darüber, lasst Euch auf Kritik und Änderungsvorschläge ein. Hilfreich kann auch sein, sich Anregungen aus Arbeiten anderer Schüler bzw. Studenten – zum gleichen oder zu einem ähnlichen Thema zu holen. Hier haben dann auch die Referate-Server ihre Berechtigung. Oft stellt sich dann heraus, dass die eigenen Überlegungen gar nicht so schlecht waren.

Ihr könnt auch einfach einmal im „Nachhilfe“-Forum um Rat fragen. Im Übrigen kann ich zu diesem Thema nur empfehlen, sich ein wenig bei Kruse und insbesondere bei Becker einzulesen, die sich beide auch mit dem Problem der Schreibhemmung befassen.

Wie wird das Rohmanuskript angefertigt?

Beim Erstellen des Rohmanuskripts kommt es vor allem darauf an, ein Ergebnis auf das Papier zu bringen, sich damit auch ein Erfolgserlebnis zu schaffen. Der stilistische Feinschliff kommt dann bei der Überarbeitung. Ein handwerklicher Arbeitsgang ist noch zu vollziehen, bevor Ihr mit dem Schreiben beginnt: Zunächst müsst Ihr die Exzerpte durchsehen und die Aussagen, Beispiele, Zitate usw., die in der wissenschaftlichen Arbeit Verwendung finden sollen, den inhaltlich passenden Gliederungspunkten zuordnen.

Habt Ihr sie dann in der Reihenfolge sortiert , wie sie in der Arbeit aufgeführt werden, könnt Ihr für den Hauptteil ohne großes Nachdenken Kärtchen für Kärtchen abarbeiten (Beim Verwenden einer Datenbank Eintrag für Eintrag).

Jetzt kann mit dem Schreiben des Rohmanuskripts begonnen werden, das dann immer noch der einen oder anderen Überarbeitung bedarf, bis alles den inhaltlichen Ansprüchen und formalen Vorgaben genügt. Allerdings können schon bei der Rohfassung einige formale Dinge berücksichtigt werden, damit das Überarbeiten danach einfacher wird:

  • Sofern Ihr nicht mit der Textverarbeitung schreibt, wird am Besten DIN-A-4-Papier verwendet und nur einseitig beschrieben.
    Sollen später z. B. einzelne Absätze verschoben werden, lassen sie sich leicht ausschneiden und an der richtigen Stelle wieder einsetzen.
  • Die formalen Vorgaben der (Hoch-)Schule gelten auch schon für das Rohmanuskript.
    Das gewährleistet, dass Ihr später in der Eile nicht aus Versehen Fehler übernehmt.
  • Schriftgrößen, Gestaltung der Überschriften und Satzspiegel werden wie für die Reinschrift eingestellt.
    Damit könnt Ihr besser einschätzen, wie groß der Umfang wird.
  • Zitate werden auch im Konzept vollständig geschrieben, bei längeren könnt Ihr eventuell eine Kopie einkleben.
  • Werden in der Reinschrift Tabellen, Graphiken usw. im Text platziert, muss in der Rohfassung genügend Platz freigelassen werden.

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